Die Märkte sind wieder in Bewegung. Nach einem verhaltenen Transaktionsjahr 2023 zog die M&A-Aktivität im Laufe von 2024 spürbar an. Dieser Trend hat sich laut einer aktuellen Analyse von Bain & Company im ersten Halbjahr 2025 nochmals verstärkt – insbesondere bei grenzüberschreitenden Transaktionen im europäischen Mittelstand. Treiber sind unter anderem sinkende Zinsen, ein anhaltender Konsolidierungsdruck in mehreren Branchen sowie das zunehmende Engagement von Private-Equity-Investoren. Auch wenn der Transaktionsprozess wieder an Tempo gewinnt, bleibt die Kommunikation in vielen Fällen eine unterschätzte Herausforderung.
Der kritische Faktor Kommunikation
M&A-Transaktionen sind selten nur wirtschaftliche Ereignisse. Sie sind strategische Zäsuren, die Identitäten verändern – intern wie extern. Für die Mitarbeitenden steht oft die Zukunft ihrer Arbeitsplätze im Raum, für Kund:innen, Investor:innen und Lieferanten die Frage nach Stabilität und Kontinuität. Und für Medien und Politik eröffnen sich neue Interpretationsräume, die je nach Tonlage den Kursverlauf oder das Employer Branding beeinflussen können.
Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit kommt es darauf an, dass Unternehmen nicht nur kommunizieren – sondern koordiniert, strategisch und vorausschauend kommunizieren. Wer die Deutungshoheit nicht verliert, hat bessere Chancen, Vertrauen aufzubauen und Reibungsverluste zu minimieren.
Case in Point: Viessmann und Carrier Global
Ein Beispiel, das die Bedeutung professioneller M&A-Kommunikation unterstreicht, lieferte 2023 die Übernahme des Wärmepumpengeschäfts von Viessmann durch den US-Konzern Carrier Global. Während wirtschaftlich sinnvoll, stieß der Verkauf in Deutschland auf mediale und politische Kritik – von „Ausverkauf“ war die Rede. Erst ein intensiver Kommunikationsnachlauf inklusive Interviews, Familienstatements und politischer Einordnung konnte das Stimmungsbild nachhaltig drehen.
Kommunikation als Integrationsmotor
M&A-Kommunikation endet nicht mit der Unterschrift unter dem Kaufvertrag. Sie begleitet die gesamte Transaktion – von der ersten Marktgerüchte-Phase über die interne und externe Bekanntgabe bis hin zur Integration. Dabei gilt es, drei Dimensionen gleichermaßen zu steuern:
- Interne Kommunikation: Mitarbeitende frühzeitig einbinden, Ängste adressieren, Führungskräfte zu Multiplikatoren machen.
- Kapitalmarkt- und Medienkommunikation: Narrative entwickeln, die strategische Logik und Synergien klar vermitteln – ohne in PR-Sprache zu verfallen.
- Kommunikation in der Integration: Transparente Change-Kommunikation, kulturelle Sensibilität und regelmäßiger Fortschrittsdialog sind entscheidend, um aus zwei Unternehmen eines zu machen.
M&A-Transaktionen verlaufen selten reibungslos – erst recht nicht auf kommunikativer Ebene. Wer die Kommunikation frühzeitig mitdenkt und strukturiert aufsetzt, schafft bessere Voraussetzungen für eine reibungsarme Transaktion und eine erfolgreiche Integration. Gerade in komplexen Stakeholder-Umfeldern kann eine gut abgestimmte Kommunikationsstrategie dazu beitragen, Unsicherheiten zu reduzieren, Missverständnisse zu vermeiden und Vertrauen aufzubauen.